Der Quartierverein Buchthalen

(aus der Jubiläumsschrift zum 25-jährigen Bestehen des Quartiervereins 1972, von Ernst Rüedi)

Mit der Eingemeindung Buchthalens 1947 schlug die Geburtsstunde für den gleichnamigen Quartierverein. Dieser übernahm die Aufgabe, die Interessen der früher selbständigen Gemeinde vor allem den Behörden gegenüber zu wahren und darauf zu achten, dass die Stadt die gemachten Versprechungen einhielt. Hauptinitiant war der aus altem Dorfgeschlecht stammende Lehrer Heinrich Spengler (1894 - 1966). Dieser rief schon auf den 30. Januar 1947 eine Anzahl Gleichgesinnter zusammen, die sich zum Initiativkomitee konstituierten. Die Arbeit wurde so rasch vorangetrieben, dass im Monat März die Gründungsversammlung stattfinden konnte. Der entsprechenden Einladung folgten 61 Personen. In den Vorstand wurden gewählt: Ernst Brunner (früherer Gemeindeschreiber), Frau Maria Fehr, Adolf Gerber, Eduard Keucher, Fritz Messerli, Hans Mäder, Johannes Müller, Ferdinand Schmid und Heinrich Spengler, letzterer als Präsident. Ihm standen zur Seite: Eduard Keucher als Vizepräsident, Adolf Gerber als Kassier und Ernst Brunner als Aktuar. Mit dem bescheidenen Jahresbeitrag von Fr. 2.- glaubte man auszukommen. Neben der Wahl des Vorstandes galt es, die Vereinsstatuten aufzustellen. Diese nannten in Art. 1 als Zweck, es seien die Quartierinteressen zu wahren und die kulturellen und gesellschaftlichen Beziehungen unter den Mitgliedern zu fördern. Politisch und konfessionell gab sich der Quartierverein als neutral. Einwohner beiderlei Geschlechtes hiess er willkommen.
Neben dem Engagement des Quartiervereins bei diversen baulichen Massnahmen, wie Schulhausbau, Turnhallenbau, Renovation der Kirche, sowie der Realisierung der Einführung der Autobusverbindung mit der Stadt, führte der Quartierverein auch gesellige Anlässe, wie Quartierabende, Carausflüge und die traditionelle Bundesfeier durch.
Seit jeher ist der Quartierverein Buchthalen einer der Mitgliedstärksten Quartiervereine der Stadt Schaffhausen. Angefangen mit 114 im Gründungsjahr, wurde bereits 1954 die Zahl 200, 1961 diejenige von 300 überschritten. 1970 waren es 406 Mitglieder und 1996 zählte man 1268. Heute im Jahr 2004 können wir auf rund 1050 treue Mitglieder zählen.

Zur Geschichte von Buchthalen

Buchthalen, 1122 als «Bochtella» Buchentälchen, erstmals urkundlich erwähnt, bildete im Mittelalter eine geschlossene Grundherrschaft des Klosters Allerheiligen. Klösterlicher Fron- oder Herrenhof war der zum alten Schenkungsgut gehörende Hof «Vorderwydlen».

Das Dorf lag innerhalb des Immunitätsbezirkes von Allerheiligen, der so genannten Mundat, wo seit 1451 die Stadt Schaffhausen die Hoheitsrechte ausübte. Die niedere Vogtei über Buchthalen befand sich im Besitze des Hauses Österreich, das sie an begüterte Schaffhauser Bürger zu Lehen vergab. Von einem dieser Lehensträger, Adam Cron, erwarb 1498 dann die auf Erweiterung ihres Territoriums bedachte Stadt diese Vogtlehen, die 'bis ins 19. Jahrhundert hinein jeweils von Österreich neu empfangen werden mussten. Seit 1559 bildete Buchthalen zusammen mit Gennersbrunn Gailingen und Buch eine städtische Obervogtei.

Kirchgenössig waren die Buchthaler von alters her nach der Bergkirche St. Michael in Büsingen. Zwar stand im Dorf (beim heutigen Restaurant «Linde» ) bereits im Mittelalter eine St. Luciakapelle, doch scheint sie im Verlaufe der Reformation säkularisiert worden zu sein. Nach ihrem Abbruch im Februar 1703 erfolgte am 13. März 1705 die Grundsteinlegung zum jetzigen Gotteshaus auf dem klösterlichen Lehenfelde oberhalb des Dorfes. Das Filialverhältnis zu Büsingen bestand allerdings weiter bis 1843, als das Grossherzogtum Baden die dortige Kollatur an sich zog; 1866 wurde Buchthalen schliesslich zur selbständigen Pfarrei erhoben. Bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts blieb Buchthalen ein kleines, unscheinbares Bauerndorf - ein «fleckli», wie es der Chronist Rüeger um 1600 genannt hatte -, das von der beginnenden Industrialisierung in der nahen Stadt kaum berührt wurde. Erst nach 1900, als sich die städtischen Wohnquartiere mehr und mehr ausweiteten und allmählich auch auf Buchthaler Gemarkung übergriffen, begannen sich Bevölkerungszahl und Struktur des Ortes entscheidend zu verändern.: 1850 noch ein Dörfchen von 364 Einwohnern, wurde Buchthalen mit seiner bevorzugten Wohnlage nun zur eigentlichen städtischen Vorortsgemeinde, deren Bevölkerung rasch von 700 Einwohnern im Jahre1910 auf 1470 im Jahre 1941 anwuchs.
Dieser enormen Entwicklung mit all ihren Ansprüchen an die Infrastruktur war die über keinerlei Industriebetriebe verfügende Gemeinde finanziell bald einmal nicht mehr gewachsen. Bereits im Jahre 1910 wurden deshalb zwischen Buchthalen und Schaffhausen die Verhandlungen über eine allfällige Eingemeindung aufgenommen: Als erste Vorstufe ergab sich daraus zunächst eine Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen auf der Basis freiwilliger Vereinbarungen. Nach mehrfachen Stockungen und Unterbrüchen, die den entscheidenden Schritt immer wieder hinauszögerten, stimmten schliesslich am 4. November 1945 die beiden beteiligten Gemeinden Schaffhausen und Buchthalen und am 7. Juli 1946 auch der kantonale Souverän der Eingemeindung zu, welche auf den 1. Januar 1947 in Kraft trat und das Ende von Buchthalens politischer Eigenständigkeit bedeutete.

Dr. Hans Ulrich Wipf, Stadtarchivar, 1992

PräsidentInnen

Diese Personen präsidier-ten den Quartierverein Buchthalen:
1947 50 Heinrich Spengler
(Lehrer)
1950 55 Ferdinand Schmid
(Architekt)
1955 66 Oscar Brütsch
(Kaufmann)
1966 70 Peter Schmid
(Architekt)
1970 71 Heinz Sulzer
1972 81 Peter Schmid
1981 91 Walter Meier
1991 02 Urs Reichenstein
2002 06 Katrin Huber Ott
2007 - Hans Peter Huber
 

Geschichte in Kürze

Jahr EinwohnerInnen
1950 1690 Personen
1960 3050 Personen
1950 4941 Personen
1980 4837 Personen
1992 5050 Personen
1996 4992 Personen
2000 4870 Personen


Im Jahre 2000 waren 20 % der Buchthaler Bevölkerung zwischen 0 und 19 Jahre alt, 59.4 % zwischen 20 und 65 Jahre und 20.6 % über 65 Jahre alt. Mit 54.4 % weist Buchthalen das grösste Abhängkigkeitsverhältnis aller Schaffhauser Quartiere auf. (Abhängigkeitsverhältnis: Kinder unter 15 Jahren und Senioren über 65 Jahren im Verhältnis zur Bevölkerung)